{"id":26,"date":"2025-02-15T03:10:04","date_gmt":"2025-02-15T03:10:04","guid":{"rendered":"http:\/\/64.27.63.132\/~pruzzina\/ccvonmoguntia.com\/?page_id=26"},"modified":"2025-02-15T03:10:04","modified_gmt":"2025-02-15T03:10:04","slug":"heimat-german","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ccvonmoguntia.com\/?page_id=26","title":{"rendered":"Heimat (German)"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein sch\u00f6nes Wort, etwas seltsam vielleicht. Ein Wort, das man nicht richtig \u00fcbersetzen kann, wenigstens nicht ins englische.<br>Heimat \u2013 nicht nur der Wohnort, der kann sich ver\u00e4ndern. \u00dcber die Jahre vielleicht sehr oft, kommt auf den gew\u00e4hlten Beruf und eventuell die Wanderlust an. Auch zu Hause ist keine gute Erkl\u00e4rung. Zu Hause kann man in seinem Haus oder Wohnung sein, die kann aber weit weg von der Heimat liegen. Daheim vielleicht? Nein, zu nahe an zu Hause, es fehlt ein bisschen, was die Heimat ausmacht, ist aber schon etwas n\u00e4her dran. Vaterland vielleicht? Darunter verstehe ich die Nationalit\u00e4t, der Bundesadler auf dem Pass, den man am Flughafen vorzeigt, das Wort, das man auf Formularen eintr\u00e4gt: \u201eDeutsch\u201c. Schwarz-Rot-Gold bei L\u00e4nderspielen. Leider haben die Nazis dieses ansonsten gute Wort verhunzt. Wer denkt nicht, wenn auch nur unterbewusst, an ein Kapitel unserer Geschichte, auf das wir lieber nicht stolz sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich einmal gefragt wurde, was Heimat ist, musste ich erst einmal \u00fcberlegen. Aber dann kam ich zu dem folgenden Schluss:<\/p>\n\n\n\n<p>Heimat ist der Ort an dem das Herz daheim ist. Man kann hunderte oder tausende Kilometer weit weg wohnen, und vielleicht auch dort zu Hause sein, aber wenn man die Augen zumacht und zur\u00fcckdenkt wo man hergekommen ist, dann kommt meist nur ein Ort vor das innere Auge. Meistens dort wo man aufgewachsen ist, es kann aber auch ein Ort sein, wo man einfach hingeh\u00f6rt. Es ist nicht nur ein gewisses Dorf, Gegend oder Stadt, es ist viel mehr als nur eine Stecknadel auf einer Landkarte.<br>Heimat kann man nur beschreiben, wenn man viele \u201eZutaten\u201c zusammenmischt. Die Erinnerungen geh\u00f6ren dazu. Da, auf dieser Treppe bin ich gest\u00fcrzt und habe mir das Knie aufgeschrammt. Der Baum, da sind wir mal Schlitten gefahren und haben uns den Kopf gesto\u00dfen, weil wir zu lenken vergessen haben. Die B\u00e4ckerei an der Ecke, Samstagsmorgens frische Br\u00f6tchen kaufen, der Duft von frisch Gebackenem im kleinen L\u00e4dchen, und dann der Geschmack von herrlich-klebrigen Br\u00f6tcheninnereien wenn es einem auf der Zunge zergeht. Die Frau in der Wohnung \u00fcber uns, die den ganzen Tag nichts besseres zu tun hatte als sich aus dem Fenster zu h\u00e4ngen und die Leute zu beobachten. Der Hausmeister, der immer rumgemeckert hat, wenn wir auf der Wiese Fu\u00dfball gespielt haben. Die Stadt, lange Einkaufsbummel. Hier, der zweite Laden von der Ecke, heute gibt es da nur noch billige Handys, aber fr\u00fcher war da ein sch\u00f6ner Kruschladen drin. Da konnte man nach der Schule ganz tolle Sachen drin finden. Das Federm\u00e4ppchen, das ich damals gefunden habe, besitze ich heute noch. Der Klang der Kirchenglocken \u00fcber dem Marktplatz. Oder der trockene Witz des Busfahrers, wenn ihm einer dumm gekommen ist und sich um die Fahrkarte stehlen wollte. Der Geschmack von Oma\u2019s Geburtstagstorte als sie 80 geworden ist. Man k\u00f6nnte Erinnerungen eines ganzen Lebens erw\u00e4hnen, wahrscheinlich sogar von mehreren Generationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kein Wunder, da\u00df man dieses Wort nicht richtig \u00fcbersetzen kann. Na ja, vielleicht ist es besser so. Ja, vielleicht werden die Englischsprechenden dieser Erde am Ende unser Wort ein-englischen, wie sie das mit anderen W\u00f6rtern auch schon getan haben (z.B. Zeitgeist, Schadenfreude). Eventuell werde ich das n\u00e4chste Mal, wenn mich einer fragt was Heimat ist, einfach den Kopf sch\u00fctteln und mit einem weisen L\u00e4cheln antworten, \u201eDas kann man nicht erkl\u00e4ren, das muss man im Herzen haben\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist mit Dir? Wo ist Deine Heimat? Wenn Du die Augen zumachst und zur\u00fcckdenkst, was siehst Du? Die Str\u00e4nde von Ostfriesland? Den Schwarzwald? Die Ufer des Rheins? Oder der Donau vielleicht? Rollende H\u00fcgel oder spitze Berge? Kuhwiesen oder Fabrikschornsteine? Tr\u00fcbe Tage mit Nieselregen oder hellen Sonnenschein?<br>Wenn Du mal ein Paar Minuten Zeit hast, vielleicht solltest Du mal wieder zur\u00fcckkehren in Deine Heimat. Manche von Euch werden wohl mit einem L\u00e4cheln auf den Lippen die Augen wieder aufmachen. Aber manche von Euch sollten vielleicht lieber ein Taschentuch parat haben, besonders, wenn Deine Heimat nicht mehr steht, oder Du nie mehr zur\u00fcckgehen kannst.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich pers\u00f6nlich, Heimat ist ein St\u00fcck dessen, das mich der macht der ich bin. Ich kann in einem anderen Land wohnen, eine andere Sprache sprechen, und es dort sogar \u201ezu Hause\u201c nennen, aber ich kann nie, und will nie vergessen, wo ich herkam. Es gibt mir Perspektive, und auch Halt, wie eine fest verwurzelte Eiche, die die \u00c4ste eben weit von sich gestreckt hat. Als junger Mensch, Heimat hatte etwas Verstaubtes, etwas das einen zur\u00fcckh\u00e4lt, nicht in die gro\u00dfe Welt entl\u00e4sst. Aber als die J\u00e4hrchen zusammenkamen, je kam die Realisation, das man ohne Heimat eigentlich niemand ist. Nicht wirklich. Ich bedauere die, die \u201eHeimat\u201c hassen und sie so schnell wie m\u00f6glich vergessen und verlassen wollen. Ist das nicht wie ein bisschen wie sich selbst hassen? W\u00e4re es nicht besser, seiner Heimat zu vergeben, wenn die Kindheit wirklich so grauenvoll war? Ich denke, es k\u00f6nnte sein, da\u00df man damit die eigenen Wurzeln heilt. Es k\u00f6nnte sogar sein, da\u00df man mit heilen Wurzeln damit um so h\u00f6her hinaus schie\u00dfen kann.<br>Sollte man vielleicht mal dr\u00fcber nachdenken\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein sch\u00f6nes Wort, etwas seltsam vielleicht. 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